Hänsel und Gretel
Kassel, Germany
2025

Florian Stirnemann, Louise Nguyen

Regie: Jessica Glause
Kostüme: Mai Gogishvili
Licht: Ernst Schießl
Videoregie: Phil Collins, Siniša Mitrović, Stefan Ramírez Pérez
Musikalische Leitung: Viktor Jugović
Dramaturgie: Teresa Martin
mit JUST+ Ensemble und CANTAMUS Jugend und Kinderchor

Staatstheater Kassel 

alle Bilder: © Sylwester Pawliczek

Hänsel und Gretel haben Hunger. Dieser existenzgefährdende Zustand betrifft jedes fünfte Kind in Kassel, aufgrund steigender Lebensmittelpreise und Armutsraten. Auch Hänsel und Gretel frisst der Hunger buchstäblich von innen auf. Von einem mit ihren Lieblingssüßigkeiten verzierten Lebkuchenhaus können die beiden nur träumen. Als sie dann auch noch die Milch umstoßen, schicken die verarmten Eltern die Kinder als Strafe zum Beerensammeln in den Wald.

Verzweifelt machen sich die Geschwister auf den Weg, doch finden nicht mehr zurück nach Hause. Im verwunschenen Märchenwald begegnen Hänsel und Gretel allerlei fantastische Gestalten, die ihnen bei ihrem Abenteuer zur Seite stehen, bis plötzlich die berühmte Frage „Knusper, knusper Knäuschen, wer knuspert mir am Häuschen?“ aus dem Wald schallt.

Als wir für Hänsel und Gretel angefragt wurden, haben wir erst gestutzt. raumlabor? Für das Bühnenbild einer 130 Jahre alten Oper, mit einer Frau die Kinder frisst, gespielt von einem Mann? Als Kinderstück?

Nun ja, nicht ganz das womit wir uns tagtäglich beschäftigen. Aber mit der Verlockung im Hinterkopf, fantastische Welten umsetzten zu können und dafür für mehrere Wochen die komplette Opernwerkstätten einspannen zu können, hat es uns dann doch ganz schön in den Fingern gejuckt und wir haben zugesagt.

Zusammen mit der Regisseurin Jessica Glause und der Dramaturgin Teresa Martin ergänzten wir das Stück mit einer Rahmenhandlung in der das Jugendensemble vom Theater das Stück selbst inszeniert und dabei den Stoff auch diskutiert und reflektiert. Die Eingangsszene in der Stube haben wir in eine Großwäscherei verlegt und dafür Wäschehaufen entwickelt, die sich für die Waldszene zu Bäumen verwandeln können. Wir haben uns ein Popcorn speienden Rucksack ausgedacht. Alle Besen aus dem Stück verbannt. In Zusammenarbeit mit Phil Collins, Siniša Mitrovic und Stefan Ramirez Pérez eine ergänzende Videoebene entwickelt. Und als zeitgemäße Umsetzung des Knusperhäuschens ein über und über mit Süßigkeiten überzogenes Häuschen in Form eines Kuscheltier-Eichhörnchens mit großen Glitzeraugen bauen lassen.

Als sich dann die Werkstätten mit vollem Elan ans Werk machten und Süßigkeiten um Süßigkeiten in Übergrößen produzierten sah man uns nur noch mit einem breiten Grinsen im Gesicht durch die Werkstätten laufen. Und als das Eichhörnchen bei seinem Auftritt in der Premiere auch noch Szenenapplaus bekam, war das Glück vollkommen.

Hänsel and Gretel are hungry. This life-threatening situation currently affects one in five children in Kassel due to the rising food prices and poverty rates. Hänsel and Gretel are plagued by hunger. They can only dream of a gingerbread house decorated with their favorite sweets. When they knock over the milk, the poor parents punish the children by sending them into the forest to pick berries. Desperate, the siblings set off, but they cannot find their way back home. In the enchanted fairy-tale forest, Hänsel and Gretel encounter all kinds of fantastic creatures who help them on their adventure, until suddenly the famous question “„Knusper, knusper Knäuschen, wer knuspert mir am Häuschen?” echoes through the forest.

When we were asked to work on Hansel and Gretel, we were initially confused. raumlabor? For the stage design of a 130-year-old opera, featuring a woman who eats children, played by a man? As a play for children? Well, that’s not exactly what we do every day. But the temptation of being able to create fantastic worlds and what with having the entire opera workshop at our disposal for several weeks, we couldn’t resist and agreed to do it.

Together with director Jessica Glause and dramaturge Teresa Martin, we supplemented the play with a framing narration in which the theatre’s youth ensemble takes on the role of staging the play, while also discussing and reflecting on the material. We moved the opening scene in the living room to a large laundromat and developed piles of washing that transformed into trees for the forest scene. We came up with a popcorn spitting backpack. We banned all the brooms from the play. In collaboration with Phil Collins, Siniša Mitrovic, and Stefan Ramirez Pérez, we developed a supplementary video layer. And as a contemporary interpretation of the gingerbread house, we envisioned a small house entirely covered with candy built in the shape of a cute squirrel toy with enormous glittering eyes.

Then the workshops got to work with great enthusiasm and started producing oversized sweets, leaving us grinning contently.

And when then the squirrel received spontaneous applause during its initial appearance at the premiere, our happiness was complete.