Eichbaumoper

Vision for the transformation of Eichbaum underground station between Mülheim and Essen into an opera house. A new type of opera will be created in an on-site opera site office in collaboration with specialists in composition, text and space in direct confrontation with the everyday conditions of the place. (premiere planned to take place in June 2009)
Vision der Transformation der U-Bahnstation Eichbaum in der Peripherie zwischen Mülheim und Essen in ein Opernhaus. In einer Opernbauhütte vor Ort wird aus der Zusammenarbeit zwischen Spezialisten der Disziplinen Komposition, Text und Raum in direkter Auseinandersetzung mit den alltäglichen Bedingungen des Ortes eine neue Form von Oper entstehen.
Die „Eichbaumoper“ bezeichnet gleichermaßen:
1. Eine U-Bahnhaltestelle, die zum Opernhaus wird
2. Kompositionen und Libretti, die dort geschrieben werden
3. Ein Musiktheater, das an diesem Ort zur Aufführung kommt
4. Anwohner, die an der Entstehung der Oper beteiligt sind
5. Arbeitstechniken und Prozesse, die die Entstehung der „Eichbaumoper“ organisieren
Eichbaum
„Eichbaum“ ist eine Haltestelle der U-Bahnlinie 18, die zwischen Essen und Mülheim verkehrt. Vor dreißig Jahren war die U18 mit ihren Haltestellen auf und unterhalb der A40 das Fanal der Moderne und markierte den Aufbruch in das neue, mobile Ruhrgebiet. Doch seitdem ist „Eichbaum“ ein problematischer Ort: Vandalismus, Überfälle und Vergewaltigungen häufen sich hier. „Eichbaum“ ist ein „Angstraum“, der schon lange auf eine Veränderung wartet. Bauliche Maßnahmen und Appelle blieben wirkungslos: der Ort widersetzt sich allen pragmatischen Zugriffen. Deshalb kann „Eichbaum“ nur durch eine Vision erlöst werden: „Eichbaum“ muss Oper werden.




Oper
In diesem Projekt geht es um die Verbindung von Architektur, Theater, Musik und Stadt. Aus den parallel verlaufenden Komponenten entwickelt sich die „Eichbaumoper“. Sie meint eine Auseinandersetzung mit dem Raum und seiner Architektur ebenso wie den künstlerischen Prozess seiner Transformation. Diese Transformation wird als vielschichtiger Prozess gedacht, in dem die Künste und Techniken sich gegenseitig fördern, anregen und bedingen. Das Architekturbüro raumlaborberlin (Matthias Rick und Jan Liesegang) wird diesen Prozess als künstlerische Leitung organisieren.
Aus der Konzeption des Projektes ergeben sich zwei Arbeitsschwerpunkte: zum einen werden Künstler aufgefordert, Kompositionen und Libretti für diesen Ort zu entwickeln, zum anderen geht es im Austausch mit Anwohnern und Künstlern darum, die Haltestelle räumlich und sozial zu transformieren.
Als gemeinsamer Abschluss der beiden Strategien steht die Inszenierung der Eichbaumoper, in der sich bauliche und soziale Maßnahmen mit musiktheatralen Momenten verschränken. Die Schnittstelle für beide Produktionsprozesse bildet die Opernbauhütte.

Opernbauhütte
Die Opernbauhütte ist:
- Büro/Arbeitsraum und Werkstatt der beteiligten Künstler
- Raum zur öffentlichen Vermittlung der „Eichbaumoper“
- Bühne, auf der Zwischenergebnisse der Arbeit präsentiert werden
- Seminar, in dem Fragen zur Oper und Kunst im öffentlichen Raum öffentlich diskutiert werden
- Experimentierfeld zur Auseinandersetzung mit dem Ort und den Menschen
- Labor zur Verbindung unterschiedlicher künstlerischer Strategien und Wahrnehmungen
- sichtbares Zeichen der Veränderung

Bevor die Eichbaumoper eine Opernbühne und ein Stück Musiktheater wird, ist sie Prozess und Kommunikation, Forschung und Experiment, Gespräch und Begegnung. Der Ort, an dem all das zentral stattfindet, ist die Opernbauhütte, die raumlaborberlin in der Entwicklungsphase der Oper an der Haltestelle
errichtet hat. Die Opernbauhütte orientiert sich an den mittelalterlichen Dombauhütten, in denen die Gewerke, die mit dem Bau des Domes beauftragt waren, organisiert wurden. Sie ist der Raum, in dem die Gewerke und Künstler der Eichbaumoper arbeiten.
Schon vor der Premiere der Oper setzt eine kontinuierliche Transformation ein: die Anwesenheit der Künstler verändert den Ort, jedes Gespräch und jede Diskussion, die dort geführt werden, machen den Ort humaner. Ebenso verändert jede U-Bahn, die über die Schienen rast, den Rhythmus der Eichbaum-Kompositionen.



In diesem Projekt verbinden sich Strategien des erzählenden, biografischen Sprechtheaters mit denen des Musiktheaters und der Komposition. Interviews, Gespräche und Begegnungen mit den Menschen und dem Ort „Eichbaum“ bilden den wesentlichen Impuls der künstlerischen Arbeit. Dieses Ziel wird erreicht durch die Vergabe von drei Kompositionsaufträgen an Komponisten und Librettisten/Autoren, die unter besonderen Arbeitsbedingungen vor Ort die Oper entwickeln. Mit diesem methodischen Ansatz unterscheidet sich die Eichbaumoper von anderen zeitgenössischen Opernaufträgen. Die Oper besteht aus mehreren einzelnen Kompositionen und Texten, deren Gemeinsamkeit es ist, an Eichbaum entstanden zu sein und von diesem Ort und seinen Geschichten auszugehen. Um diese Bedingungen zu erfüllen, stehen der Aufenthalt der Künstler an diesem Ort und die Beschäftigung mit den Menschen und ihren Erfahrungen an „Eichbaum“ im Zentrum der Arbeit.
Drei Teams, bestehend aus jeweils einem Komponisten und einem Texter/Autor, setzen sich dem Ort „Eichbaum“ aus. Sie erleben dort die Architektur und die speziellen Klänge, die Geräusche und den Lärm der Haltestelle. Im Laufe der Recherchephase werden ihnen Anwohner und U-Bahnnutzer und Passanten vorgestellt. Sie hören zum Beispiel die Geschichten der Schüler, die ihren täglichen Schulweg über “Eichbaum“ nehmen. Oder sie treffen die Frauen, die nachts ängstlich durch die Haltestelle gehen müssen. Sie lernen die Anwohner aus der nahe liegenden Siedlung „Heimaterde“ kennen, die Rentner und die Spaziergänger, die Mütter, die ihren Kindern das Spielen dort verbieten, die Pendler, die dort ein- und aussteigen, die Menschen, die seit Jahren auf eine Veränderung warten. So hören sie eine Vielzahl von Geschichten und Biographien, die sich an diesem einen Ort überschneiden. Sie kreuzen sich für einen Augenblick an dem Punkt „Eichbaum“ und trennen sich wieder. Aus diesem Panorama „Eichbaum“ wählt jeder Künstler seine Geschichte und seine Perspektive, die er zum Fokus seiner Arbeit macht. Die Texter/Autoren verarbeiten Geschichten zu Libretti, die Komponisten übersetzen Klänge, Emotionen und Erlebnisse in Musik. So entstehen drei autonome Teile, die von „Eichbaum“ erzählen und gemeinsam zur „Eichbaumoper“ werden. Die Regie, die die Leitung der Inszenierung „Eichbaumoper“ übernimmt, ist als Teil dieses Prozesses zu denken.
Premiere: 24. Juni 2009
Weitere Vorstellungen: 26. bis 28. Juni 2009, 1. bis 4. Juli 2009

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alle Infos unter: www.eichbaumoper.de
Mülheim/Eichbaum
2008/09
In collaboration with Schauspiel Essen, Ringlokschuppen Mülheim,
Musiktheater im Revier Gelsenkirchen
In Zusammenarbeit mit dem Schauspiel Essen, Ringlokschuppen Mülheim,
Musiktheater im Revier Gelsenkirchen
Jan Liesegang, Matthias Rick, Kira Kohnen, Andreas Krauth
related projects: “Utopie18“, “Duismülsen”